Freitag, 19. April 2013

Grand Prix - Das F1 Denkmal


Wir von Karrenkult sind empathisch. Wir haben größte Sympathien für unsere katholischen Freunde die sich wegen Missbrauch und anderen Dingen Kritik ausgesetzt sehen und sich wegen eines inzwischen durchaus gesellschaftsfähigen Katholikenhasses permanent in der Defensive und nahe dem Martyrium befinden. Aber wir sind nicht parteiisch! Daher haben wir für alle Anhänger verfolgter Gruppierung Mitleid, Sympathie und Solidarität. Denn die traurige Nachricht ist: Wir werden auch verfolgt! Als Freund der Formel 1 sieht man sich seit Jahren den immer gleichen Anschuldigungen konfrontiert. Formel 1 ist kein Sport! Im Kreis fahren ist langweilig! Dabei zuschauen noch viel mehr! Formel 1 ist umweltschädlich! An den Reifen der Formel 1 klebt Blut! Die Hasen in Spa haben Gehörprobleme! Die Autos sind nicht ästhetisch! Die Liste der Vorwürfe lässt sich unendlich weiterführen. Grund für diese Art von Rassismus ist Unwissenheit. Die Angst vor Unbekanntem, was man in seiner Gänze aufgrund Unwissenheit nicht nachvollziehen kann, treibt den Mensch dazu an vorurteilsbeflügelte Urteile zu fällen. In Sachen Religion sind wir überfragt. In Sachen Formel 1 können wir jedoch Abhilfe verschaffen. Sollte nächstes mal bei der Dinnerparty über die eigenen Formel 1 Leidenschaft rund um den Tischer herum wieder einmal die Nase gerümpft und der kleine Finger abgespreizt werden, einfach den Rümpfenden die “Grand Prix” Blu-Ray in die Hand drücken und verabschieden.



„Grand Prix” von 1966, geschaffen von John Frankenheimer, ist unübertrieben ein Meisterwerk. Ein Meisterwerk für Liebhaber und Aufklärungswerk für Zweifler, denn bis zum heutigen Tag hat es kein Film in vergleichbarer Weise geschafft die Aspekte der Formel 1, welche eben die Faszination ausmachen, auf die Leinwand zu bringen und in der Gänze ihres Spektrums umfassend darzustellen. Die überraschende Erkenntnis: Der Kern der Formel 1 ist beständiger als man aufgrund der ständigen Regeländerungen und dem Wandel des Gesichts des Sportes innerhalb der letzten 40 Jahre annehmen könnte. Der enorm hohe Grad an Realismus, den der Film auszeichnet, spiegelte sich sowohl in der Darstellung der Rennen, als auch auf psychologischer Ebene wieder. Selbst das paar Jahre später erschienene “Le Mans” mit Steve McQueen, der ja als Realitätsfetischist durchaus bekannt war, hat keine, auch für heutige Standards, derartig detaillierten und rasanten Aufnahmen der Boliden. Detailaufnahmen der Cockpits, gepaart mit wahrnehmbaren Impressionen von arbeitenden Autoparts, wie den Stoßdämpfern bei jeder noch so kleinen Bodenunebenheit, und die Ruhe des Regisseurs einfach mal zwischendurch eine komplette Runde durch die Augen einer an der Front eines Boliden angebrachten Kamera zu zeigen begeistern.


Die Hintergrundgeschichte ist relativ simpel und dennoch packend, die romantischen Damengeschichten einfach mal ignoriert. Hauptprotagonisten, die unter anderem die verschiedenen Fahrerprototypen symbolisieren, sind vier Fahrer die um den Weltmeisterschaftstitel kämpfen. Es gibt den sorglosen Draufgänger, den zweifelnden Philosophen, den Verstoßenen mit dem Killerinstinkt und den verletzten, rastlosen Rückkehrer. Durch ihre Geschichte, ihre Sichtweisen auf den Sport, ihre Konflikte mit sich selbst und dem Umfeld, wird auf wundervolle Weise anschaulich dargelegt, wieso und warum Formel 1. Der Wahrheitsgehalt, ein erschreckend prophetischer sogar, des Filmes erreicht am Ende vor dem letzten Rennen seinen Höhepunkt. Betrachtet man Archivaufnahmen des melancholischen Sennas vor dem Start in Imola 1994 und vergleicht diese mit dem fiktiven Material des Filmes, so wird klar, dass die psychologischen Profile des Filmes weit über Fiktion hinausgehen und die bis heute unveränderte Gefühlswelt der Fahrer widerspiegelt. Die richtiger Weise bis heute noch immer andauernde Sicherheitsdebatte hinsichtlich Zuschauer an der Strecke und der Fahrer auf der Strecke wird schlicht, aber mehr als passend, durch Fahrersitzungen und tödliche Zuschauerunfälle ins Bewusstsein gerückt. Sensationsgeilheit der Medien wird durch ein paar Brandnarben thematisiert.


“Grand Prix” ist ein wahrlicher Fundus an Querverweisen innerhalb der traditionsreichen Geschichte  der Formel 1. Ein für Historiker unglaublich schmackhafter Leckerbissen ist mit Sicherheit die Inszenierung. Lange andauernde Panoramen, fernsehübertragungsnahe Einstellungen und Aufnahmen des Umfeldes der Strecken lassen den Wandel der Zeit intensiv erleben. Monaco mit kurzem Tunnel und kaum Hotels, Spa im Regen mit fast nichts als Wald und ein Monza mit der unendlichen Steilkurve. Der einzige Wehmutstropfen ist, dass es keine Aufnahmen vom Rennen auf dem Nürburgring gibt. Zweiter Leckerbissen ist, dass durch die Aufnahmen John Frankenheimer die Originalteams überzeugen konnte teilzunehmen und das Fahrer wie Graham Hill und Jochen Rindt an den Fahrtaufnahmen mitwirkten. Im Film fällt der Satz, frei übersetzt: “Um etwas gefährliches zu machen, ist das Fehlen von Vorstellungskraft sehr nützlich.” Zu sagen John Frankenheimer und seinem Team hätte Vorstellungskraft gefehlt wäre anmaßend, aber durch das Weglassen von fiktiven Elementen, übernatürlicher Dramatisierung und Glorifizierung ist es gelungen der Formel 1 ein mahnendes und zugleich feierndes Denkmal, inklusive Ouvertüre und Zwischenspiel, zu setzen. 

 


Dienstag, 12. März 2013

Gumpert ist gerettet! Anscheinend...

Die Sportwagenmanufaktur Gumpert, zu der wir ein von uns ausgehendes einseitiges aber herzliches Verhältnis pflegen (wegen einer Verlinkung auf der Firmehomepage), ist gerettet. Nach langer Suche wurde ein Investor gefunden, der allerdings bisher nicht enthüllt wurde bzw. sich zu erkennen gegeben hat. Aber das sollte nicht weiter sonderlich interessieren: Hauptsache Gumpert (sowohl Mensch als auch Firma!) lebt und wir sehen bald den Tornante, oder ähnliches! 


Montag, 11. März 2013

Noch 6x schlafen...


Die elende lange Winterpause ist bald vorbei. Noch sechs Nächte und die Motoren der Formel 1 werden wieder durch Melbourne schallen. Ein jeder halbwegs normale Mensch, ausgenommen Ökofreunde, Prius-Fahrer und notorische Warmduscher, freuen sich bestialisch. Vettel Titel Nr. 4? Mercedes endlich keine Reifenfresser? Trifft Sutil dieses mal besser? Alles egal! Die momentan vorherrschende Frage die alle Fachmänner, also definitiv nicht uns, beschäftigt lautet: Wie kann man die Zeit bis zum Start noch halbwegs sinnvoll verbringen ohne vor lauter Formel 1 Sehnsucht aus dem Fenster zu springen?


Da wir wie bereits festgestellt richtiggehende fachliche Idioten sind, haben wir verständlicher Weise die Antwort wie man Zeit weitestgehend angenehm vergammeln kann. Unser Fahrplan zum Großen Preis von Australien lautet also wie folgt: 

Montag:          
DVD Abend mit  Le Mans (ja ja, ist kein F1 wissen wir!) und Grand Prix

Dienstag:       
Konsolenabend mit F1 2012

Mittwoch:       
Wiederholung vom Saisonfinale 2012 anschauen

Donnerstag:   
Ayrton Senna - Beyond the speed of sound schauen

Freitag:          
Alle Kurven und Bremspunkte einprägen

Samstag:        
Qualifying schauen, für Sonntag einkaufen gehen und Geld auf Mark Webber setzen,  dass er unter die Top 3 kommt - denn irgendwann muss ein Aussie es doch schaffen!

Sonntag:       
Gott sei Dank - Endlich Renntag

Mittwoch, 6. März 2013

Celica! Wir danken Dir!


In der großen, weiten Welt der Werbung herrscht ein einfaches Gesetz: Die Bedeutung eines Produktes für den Hersteller und den Markt kann anhand des gewonnenen Werbebotschafters abgeleitet werden. Wer war größer und präsenter als Eddie Murphy Ende der 80er Jahre? Niemand! Insofern hatte es schon etwas zu bedeuten als Toyota Eddie Murphy als Gesicht für den Toyota Celica T18 gewinnen konnte. 


Die T18 Baureihe war die insgesamt fünfte Version des Celicas, der in den 70er Jahren fast nichts weiter war als sein Urvater: Ein Toyota Carina minus zwei Türen. Als 1989 der neue Celica auf der IAA in Frankfurt vorgestellt wurde, wurde jedem bewusst wie groß der Schritt vom T16 zum T18 tatsächlich ausfallen sollte. Nicht nur wurden unter anderem zeitgemäße Sicherheitsstandards wie serienmäßiges ABS und optionale Airbags angeboten. Die wichtigsten Neuerungen trafen allerdings die Aspekte, die maßgeblich den Fahrspaß  und Fahrverhalten beinflussen. Die Karosserie wurde losgelöst vom Vorgänger komplett neu gestaltet. Die vielen Kanten und Stufenlinien des T16 waren nicht mehr zu finden. Die Karosserie des T18 war nun rundlicher und aerodynamisch, was sich sowohl auf der Straße als auch im Verbrauch widerspiegelte. 

Die spektakulärste Neuerung des Celica T18 war aber eine die Herz und Seele des Fahrers berührte. Eine Neuerungen die mit dem Celica nun auch jenseits Porsche und Freunde für den relativen Sparfuchs erschwinglich war: Die Klappscheinwerfer! Die Befriedigung beim Motoranlassen in der Garage oder Dunkelheit im Beisein von Freunden war und ist enorm hoch. Klappscheinwerfern kann man eben ein gewisses  Befriedigungspotential schlicht und einfach nicht absprechen.

Auch wenn es schon einige Zeit zurückliegt, dass wir die Gelegenheit hatten einen Celica T18 (2,0 i 16V) zu fahren, ist das erstaunliche am Celica dass beim ersten Einsteigen und der ersten Fahrt die sportlichen Aspekte nicht ins Auge fallen. Auf gerader Straße und Autobahnfahrt wirkt der Wagen eher wie ein GT. Nicht dass sonderliche Behäbigkeit oder ähnliches auffallen würde. Aber trotz seines Gewicht von 1200kg und einer Beschleuningung von 0-100 km/h in 8,3 Sekunden liegt der Wagen sehr ruhig, nahezu selbstsicher, auf der Straße. Diese Ruhe weicht einer enormen Verspieltheit sobald Kurven, Steigungen und Serpentinen in Sicht kommen. Hier entfaltete der Frontantrieb eine erstaunliche Entwicklung: Er kommt dem Fahrspaß nicht in die Quere! Selbst in Kurven die mit bloßem Auge als Belastung für Mensch und Maschine klassifizierbar waren trat nicht der leiseste Hauch eines Untersteuerns auf. 

Die besondere Stellung des Celicas wird in der Firmengeschichte Toyotas immer erhalten bleiben, da diese Modellreihe Toyota einerseits komplett neue Käuferschichten eröffnete und andererseits Weiterentwicklungen, die widerum das Firmengesicht Toyotas nachhaltig prägten, wie dem Supra ermöglichten. Gerade der Celica bewies das Menschen, die in der Autoindustrie maßgeblich an der Gestaltung beteiligt sind, egal wie langweilig und öde teilweise ihre angeforderten Aufgaben sein mögen, tief innen drin eben doch nichts weiter als Liebhaber von vier Rädern sind.